CBGB: die Geschichte des Clubs an der Bowery
Die Geschichte des CBGB von der Eröffnung im Dezember 1973 bis zum letzten Konzert im Oktober 2006: Hilly Kristal, Bowery 315, Television, Ramones, Blondie und Hardcore.
Szenen Veröffentlicht
Das CBGB war ein schmaler Club an der Bowery 315 im Süden Manhattans und gilt als Geburtsort des New Yorker Punk. Hilly Kristal eröffnete ihn im Dezember 1973. Zwei Jahre später hatten Television, die Ramones, Patti Smith, Blondie und Talking Heads dort ihr Publikum gefunden, und vier Buchstaben standen für eine ganze Bewegung. Fast 33 Jahre lang blieb der Club offen. Am 15. Oktober 2006 schloss er mit einem dreieinhalbstündigen Konzert von Patti Smith.
Hier die Geschichte vom unwahrscheinlichen Anfang bis zum letzten Abend, mit den Daten, auf die es ankommt.
Eine Bar an der Bowery
Kristal hatte im selben Haus schon eine Bar namens Hilly’s betrieben. Die Bowery war 1973 eine der ärmsten Straßen Manhattans, gesäumt von Billigpensionen und Männerasylen. Die Miete war günstig, und niemand sonst wollte den Raum.
Geplant war ein Lokal für Country, Bluegrass und Blues, daher der Name. Auf der Markise ergänzte Kristal OMFUG: Other Music For Uplifting Gormandizers. Der Country-Plan ging nie richtig auf. Stattdessen kam eine Generation junger Bands, die nach dem Einsturz des Mercer Arts Center im August 1973, der Bühne der New York Dolls, keinen Ort mehr zum Spielen hatte.
1974: Television und die Ramones
Die Wende kam Anfang 1974. Television mit Tom Verlaine, Richard Lloyd und Richard Hell bekamen mit Hilfe ihres Managers Terry Ork einen festen Abend, die erste Bühne soll die Band selbst gebaut haben. Im März 1974 spielte die Band zum ersten Mal im CBGB, im August folgten die Ramones, anfangs vor sehr wenigen Zuschauern.
Kristal hatte eine einzige feste Regel: Bands mussten eigenes Material spielen. Diese Regel ist der wichtigste Grund, warum das CBGB Geschichte schrieb. In New Yorker Bars spielten sonst Coverbands. Hier bekam jeder eine Bühne, der eigene Songs hatte und sich traute.
1975 und 1976: die Szene formt sich
Im Frühjahr 1975 spielten Patti Smith und Television wochenlang gemeinsam im Club. Talking Heads gaben im Juni 1975 dort ihr erstes Konzert. Im Juli 1975 veranstaltete Kristal ein Festival mit Bands ohne Plattenvertrag, das die Musikpresse auf den Club aufmerksam machte.
Blondie gehörten von Anfang an dazu. Debbie Harry und Chris Stein spielten ab 1974 im CBGB und entwickelten vor demselben Publikum wie die Ramones ihre Mischung aus Girlgroup-Pop und Punk-Tempo. Ihr Debüt Ende 1976 enthielt Rip Her to Shreds, einen Song, der den lästernden, spitzen Humor dieser kleinen Welt einfängt.
1976 hatte die Szene mit Punk eine eigene Zeitschrift und mit Live at CBGB’s einen eigenen Sampler bei Atlantic. Die Plattenfirmen kamen: Die Ramones und Talking Heads gingen zu Sire, Blondie zu Private Stock und später Chrysalis, Television zu Elektra. Die ganze Szene beschreibt unser Text über New York Punk.
Wie es dort aussah
Der Raum war lang und schmal, mit der Theke an einer Seite und der Bühne am hinteren Ende. Hinein passten nur ein paar hundert Leute. Berühmt wurden die Toiletten, wegen ihres Zustands und ihrer Graffiti, und die Wände waren mit Schichten aus Aufklebern und Plakaten bedeckt. Kristal investierte in eine gute Anlage, und viele Musiker sagten später, der Klang sei der Hauptgrund gewesen, gern dort zu spielen.
Glamourös war das nicht, und gerade das war die Funktion des Ortes. Eintritt und Bier waren billig, und für die Künstler und Studenten in den billigen Wohnungen des East Village lag der Club um die Ecke.
Die Achtziger: Hardcore-Matineen
Als die erste Generation in größere Hallen wechselte, fand das CBGB ein zweites Leben. Ab Anfang der Achtziger gab es sonntags nachmittags Hardcore-Matineen ohne Altersgrenze, und der Club wurde zum Zentrum des New York Hardcore mit Agnostic Front, Cro-Mags und Gorilla Biscuits. An den übrigen Abenden blieb die Bühne offen für alle mit eigenen Songs. Tausende unbekannte Bands haben dort gespielt.
Mietstreit und Schließung
In den Nullerjahren veränderte sich die Bowery. Die Mieten stiegen, Hotels und Galerien zogen ein. Der Vermieter, das Bowery Residents’ Committee, eine gemeinnützige Organisation für Obdachlose, klagte wegen Mietrückständen und gegen eine Verlängerung des Vertrags. Eine Kampagne zur Rettung des Clubs bekam viel Unterstützung, doch 2006 verlor Kristal. Patti Smith spielte am 15. Oktober 2006 das letzte Konzert, Kristal starb im August 2007. Das Haus wurde danach als Ladenfläche genutzt.
Weiterhören und Weiterlesen
- Live at CBGB’s (1976). Der Sampler zeigt die zweite Reihe der frühen Bands, nicht die Stars, und gerade deshalb, wie der Club an einem normalen Abend klang.
- Please Kill Me (1996). Die Oral History von Legs McNeil und Gillian McCain lässt die Beteiligten der New Yorker Szene selbst erzählen, mit allen Widersprüchen.
- CBGB (2013). Der Spielfilm über Hilly Kristal, mit Alan Rickman in der Hauptrolle, ist eher Nostalgie als Geschichtsschreibung, zeigt aber, wie man sich den Club heute vorstellt.
Für die Platten der Bands, die dort angefangen haben, lohnt der Blick in unsere Auswahl der besten Punk-Alben.
Warum das CBGB bis heute zählt
Das CBGB zeigte, dass eine Szene keinen schönen Ort braucht, sondern eine Bühne, die zuverlässig für neue Musik offen ist. Viele der einflussreichsten Platten des Jahrzehnts, von Horses über Marquee Moon bis zum ersten Ramones-Album, wurden für diesen Raum geschrieben und dort ausprobiert. Wie es weiterging, erzählt unsere Geschichte des Punk. Die Gegenbewegung aus derselben Gegend beschreibt die Seite über No Wave, und wie über all das geschrieben wurde, zeigt unser Text über Punk-Fanzines.
Häufige Fragen
Wofür steht CBGB?
Für Country, BlueGrass and Blues. Diese Stile wollte Hilly Kristal buchen, als er den Club im Dezember 1973 eröffnete. Die Buchstaben OMFUG auf der Markise standen für Other Music For Uplifting Gormandizers, also sinngemäß andere Musik für erbauungshungrige Feinschmecker, sein Scherz für alles andere.
Wo lag das CBGB?
An der Bowery 315, Ecke Bleecker Street, in Manhattan. Die Bowery war in den Siebzigern eine der ärmsten Straßen der Stadt, mit Billigpensionen und Obdachlosenunterkünften, deshalb war die Miete niedrig.
Welche Bands spielten im CBGB?
Zur ersten Generation gehörten Television, die Ramones, Patti Smith, Blondie, Talking Heads, die Heartbreakers, Richard Hell and the Voidoids, Mink DeVille und die Dead Boys. In den Achtzigern folgten Hardcore-Bands wie Agnostic Front.
Warum wurde das CBGB geschlossen?
Der Club verlor einen langen Streit mit seinem Vermieter, einer gemeinnützigen Organisation, um Miete und Verlängerung des Vertrags. Das letzte Konzert spielte Patti Smith am 15. Oktober 2006. Hilly Kristal starb im August 2007.
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