Rip Her to Shreds
Suche EN

Die Geschichte des Punk

Die Geschichte des Punk in Daten: Anfänge im New Yorker CBGB, Durchbruch in London 1976, Punk in Hamburg, Düsseldorf und Berlin und der Weg zu Hardcore bis 1984.

Stile Veröffentlicht

Punk entstand zwischen 1974 und 1976 in einer Handvoll New Yorker Clubs und wurde 1976 und 1977 in Großbritannien zur Massenbewegung. Musikalisch war es eine Rückkehr zu kurzen, lauten und einfachen Rocksongs in einer Zeit, in der die Charts von langen Progressive-Rock-Stücken und weichem Westcoast-Sound bestimmt waren. Nach drei Jahren zerfiel Punk in mehrere Richtungen, und nach zehn Jahren war das Wichtigste nicht ein bestimmter Klang, sondern eine Haltung: Platten, Hefte und Konzerte selbst machen, ohne auf Plattenfirmen oder Veranstalter zu warten.

Diese Seite erzählt die Geschichte in der richtigen Reihenfolge, mit einem eigenen Blick auf die Bundesrepublik.

Vorgeschichte bis 1974

Die Vorbilder sind bekannt: amerikanische Garagenbands der Sechziger, die Lenny Kaye 1972 auf dem Doppelalbum Nuggets sammelte, dazu The Velvet Underground, The Stooges, MC5 und die New York Dolls, deren erstes Album 1973 erschien. In London hielt der Pub Rock mit Dr. Feelgood und The 101ers, der Band des späteren Clash-Sängers Joe Strummer, den schnellen, schweißtreibenden Rock’n’Roll in Hinterzimmern am Leben. Gemeinsam war allen die Ablehnung von Virtuosität und die Liebe zur Drei-Minuten-Single.

New York 1974 bis 1977

Das CBGB an der Bowery 315 hatte im Dezember 1973 eröffnet. 1974 traten dort Television und ab August die Ramones auf, bald folgten Patti Smith, Blondie, Talking Heads und Richard Hell. Ab Januar 1976 hatte die Szene ihr eigenes Heft, das schlicht Punk hieß. Die Bands klangen sehr unterschiedlich, wie unser Text über New York Punk zeigt: die Ramones mit Zwei-Minuten-Songs, Television mit langen Gitarrenduellen, Patti Smith mit Lyrik, Blondie mit Sixties-Pop. Die wichtigsten Platten erschienen dicht hintereinander: Horses im November 1975, Ramones im April 1976, Marquee Moon im Februar 1977.

London und Manchester 1976 und 1977

In Großbritannien bekam die Musik eine Identität. Malcolm McLaren, der kurz die New York Dolls gemanagt hatte, stellte rund um seinen Laden an der King’s Road die Sex Pistols zusammen. Ihr erstes Konzert spielten sie im November 1975 an der Saint Martin’s School of Art. 1976 ging alles schnell: Die Ramones spielten am 4. Juli im Roundhouse, The Clash und The Damned traten zum ersten Mal auf, der 100 Club veranstaltete am 20. und 21. September sein Punk-Festival. Mehr dazu auf unserer Seite über London 1976.

In Manchester holten Howard Devoto und Pete Shelley die Sex Pistols am 4. Juni 1976 in die Lesser Free Trade Hall. Ihre eigene Band Buzzcocks brachte im Januar 1977 die EP Spiral Scratch im Selbstverlag heraus. Am 1. Dezember 1976 fluchten die Sex Pistols im Vorabendprogramm Today vor Moderator Bill Grundy, am nächsten Tag standen sie auf allen Titelseiten. 1977 war das Jahr des britischen Punk: God Save the Queen erschien im Mai zum Thronjubiläum, Never Mind the Bollocks im Oktober.

Punk in der Bundesrepublik

Nach Westdeutschland kam Punk ab 1977, über Importplatten, Konzerte britischer Bands und die Zeitschrift Sounds. Die wichtigsten Orte waren Hamburg, Düsseldorf und West-Berlin. In Hamburg wurde die Markthalle zum Konzertort, in Düsseldorf der Ratinger Hof in der Altstadt zum Treffpunkt der Szene, in Berlin entstand rund um Kreuzberg eine eigene Mischung aus Punk, Kunst und Hausbesetzerszene.

Viele der frühen deutschen Gruppen sangen zunächst englisch. Um 1979 änderte sich das. Bands wie Male, Mittagspause und später Fehlfarben aus Düsseldorf oder Abwärts aus Hamburg schrieben deutsche Texte und fanden ihre Hörer über kleine Labels, Fanzines und Plattenläden. Ein Teil dieser Szene wurde zur Neuen Deutschen Welle, ein anderer Teil blieb beim Punk und führte zu Slime, den Toten Hosen und den Ärzten, die sich zwischen 1979 und 1982 gründeten.

Fanzines und eigene Labels

Punk schuf sich seine eigenen Medien. Mark Perrys Sniffin’ Glue erschien im Juli 1976 und zeigte, dass Schreibmaschine und Kopierer reichten. Läden wie Rough Trade in London wurden zu Vertriebszentralen, Labels wie Stiff, Factory oder Mute brachten Platten ohne die großen Firmen heraus. In Deutschland übernahmen Läden und Kleinlabels in Hamburg und Düsseldorf dieselbe Rolle. Dieses Netz überdauerte die erste Bandgeneration.

Aufspaltung ab 1978

Die Sex Pistols spielten am 14. Januar 1978 im Winterland in San Francisco ihr letztes Konzert und lösten sich auf. Da hatte Punk sich bereits geteilt:

  1. Post-Punk. Wire, Public Image Ltd, Joy Division und Gang of Four nutzten die neue Freiheit für dunklere, experimentelle Musik. Mehr dazu unter Post-Punk.
  2. New Wave. Der melodische, kommerzielle Zweig von Blondie bis Elvis Costello, siehe New Wave.
  3. Oi! und Streetpunk. Sham 69, UK Subs und später die Oi!-Bands blieben bei Punk als Straßenmusik für ein junges Arbeiterpublikum.
  4. Anarcho-Punk. Crass aus einer Kommune in Essex veröffentlichten 1978 The Feeding of the 5000 und bauten eine Szene um Pazifismus und Selbstverwaltung auf.
  5. Hardcore. In Kalifornien und Washington spielten Black Flag, Dead Kennedys, Minor Threat und Bad Brains noch schneller und gründeten eigene Labels wie SST und Dischord.

1984: das Ende des ersten Jahrzehnts

1984 veröffentlichte SST das Doppelalbum Zen Arcade von Hüsker Dü und Double Nickels on the Dime von den Minutemen. Beide Bands kamen aus dem Hardcore und machten nun lange, ehrgeizige Platten. Damit endet das erste Punk-Jahrzehnt, und es beginnt, was später amerikanischer Indie-Rock heißen sollte.

Weiterlesen

Die wichtigsten Gruppen stellt unser Überblick über Punk-Bands, die das Genre geprägt haben vor. Die Platten dazu finden sich unter den besten Punk-Alben. Wer Originale sucht, findet im Ratgeber Punk-Platten sammeln die wichtigsten Kriterien.

Häufige Fragen

Wo ist Punk entstanden, in New York oder in London?

Die Musik entstand in New York, wo ab 1974 Bands wie Television und die Ramones im CBGB spielten. Punk als Jugendkultur mit Kleidung, Fanzines und öffentlichem Skandal formte sich 1976 in London. Beide Antworten stimmen, sie meinen nur Verschiedenes.

Wann kam Punk nach Deutschland?

Ab 1977. Britische Bands tourten, Platten kamen über Importläden, und in Hamburg, Düsseldorf und West-Berlin gründeten sich erste Gruppen. Ab 1979 sangen immer mehr Bands auf Deutsch, daraus entstand ein Teil der Neuen Deutschen Welle.

Welche war die erste Punk-Platte?

Darauf gibt es keine einheitliche Antwort. Genannt werden Patti Smiths Single Hey Joe von 1974, das Ramones-Debüt von 1976 und für Großbritannien New Rose von The Damned vom Oktober 1976, die meist als erste britische Punk-Single gilt.

Woher kommt das Wort Punk?

Im amerikanischen Englisch war punk ein abschätziges Wort für einen nichtsnutzigen Jugendlichen oder Kleinkriminellen. Rockkritiker verwendeten es Anfang der Siebziger für rohe Garagenbands, und die New Yorker Zeitschrift Punk machte es ab Januar 1976 zum Namen der Szene.

Mehr aus Stile