New York Punk von 1974 bis 1978
New York Punk erklärt: die Clubs CBGB und Max's Kansas City, die Bands von Television und Ramones bis Blondie und Suicide, die wichtigsten Platten und was danach kam.
Szenen Veröffentlicht
New York Punk war die Szene im Süden Manhattans, die zwischen 1974 und 1978 die Rockmusik auf null zurückstellte. In zwei Clubs, dem CBGB an der Bowery und dem Max’s Kansas City an der Park Avenue South, spielten ein paar Dutzend Bands kurze, entschlackte Songs, die alles ignorierten, was gerade in den Charts lief. Aus dieser kleinen Welt kamen Television, die Ramones, Patti Smith, Blondie, Talking Heads, Richard Hell and the Voidoids, die Heartbreakers und Suicide, und eine Handvoll Alben, die bis heute in jeder Bestenliste stehen.
New York war zuerst da. Das erste Ramones-Album lag im April 1976 in den Läden, ein halbes Jahr vor der ersten britischen Punk-Single. Doch einen einheitlichen New Yorker Punk-Sound gab es nie. Gerade das ist das Wichtigste an dieser Szene, und es erklärt, warum sie in so viele Richtungen führte.
Vor dem CBGB
Die Wurzeln liegen in der Stadt selbst. The Velvet Underground hatten in den Sechzigern Downtown gespielt. Die New York Dolls, eine laute Rock’n’Roll-Band in Frauenkleidern, füllten ab 1972 das Mercer Arts Center, bis das Gebäude im August 1973 einstürzte. Suicide, das Duo Alan Vega und Martin Rev, machten seit 1970 Lärm mit Rhythmusmaschine und Orgel. Patti Smith las Gedichte in der St. Mark’s Church und veröffentlichte 1974 ihre erste Single Hey Joe auf einem Kleinstlabel.
Was fehlte, war eine feste Bühne. Die gab es ab 1974 im CBGB.
Die Bands
- Television. Die Doppelgitarren von Tom Verlaine und Richard Lloyd machten aus Punk-Reduktion lange, verschlungene Improvisationen. Marquee Moon vom Februar 1977 ist die ehrgeizigste Platte der Szene.
- Ramones. Vier Männer aus Forest Hills in Queens mit Zwei-Minuten-Songs im Höchsttempo, Lederjacke und Jeans als Uniform und Melodien aus dem Sechziger-Pop. Ihr Debüt erschien im April 1976 bei Sire.
- Patti Smith Group. Lyrik über drei Akkorde. Horses, produziert von John Cale und im November 1975 erschienen, gilt oft als erstes Album der Szene.
- Blondie. Debbie Harry und Chris Stein mischten Girlgroups, Surf und Punk-Tempo. Ihr Debüt Ende 1976 enthielt Rip Her to Shreds.
- Talking Heads. Kunststudenten aus Rhode Island mit nervösem Funk und bewusst unrockigem Auftreten. Talking Heads: 77 erschien im September 1977.
- Richard Hell and the Voidoids. Hell hatte bei Television und den Heartbreakers gespielt. Seine zerrissenen Hemden und seine Stachelfrisur wurden in London kopiert, Blank Generation von 1977 wurde zum Manifest.
- The Heartbreakers. Johnny Thunders und Jerry Nolan von den New York Dolls. L.A.M.F. erschien 1977, zuerst in Großbritannien.
- Suicide. Zwei Männer, eine Rhythmusmaschine, eine Orgel. Ihr erstes Album von 1977 war den meisten zu radikal und wurde eine der einflussreichsten Platten der Zeit, vor allem für spätere elektronische Bands.
Die eigenen Medien
Die Szene dokumentierte sich selbst. Die Zeitschrift Punk von John Holmstrom, Legs McNeil und Ged Dunn erschien erstmals im Januar 1976 und half, das Wort Punk mit der Szene zu verbinden. New York Rocker, im selben Jahr von Alan Betrock gegründet, berichtete ausführlicher. Wie solche Hefte entstanden, erzählt unser Text über Punk-Fanzines.
1976: die Plattenverträge
1975 und 1976 kamen die Plattenfirmen nach Downtown. Seymour Steins Sire Records nahm die Ramones und Talking Heads unter Vertrag, Arista hatte Patti Smith, Private Stock Blondie, Elektra Television. Der Sampler Live at CBGB’s erschien 1976. Im Juli spielten die Ramones im Londoner Roundhouse, und viele, die im selben Sommer britische Punk-Bands gründeten, standen im Publikum. Wie es dort weiterging, steht auf unserer Seite über London 1976.
1977 und 1978: Erfolg und Spaltung
1977 war aus der Szene eine Reihe von Karrieren geworden. Blondie, Talking Heads und die Ramones tourten durch Europa. Mit Parallel Lines und Heart of Glass wurden Blondie 1978 und 1979 zu einer der größten Popbands der Welt. Die Plattenfirmen nannten diese Bands nun lieber New Wave.
Gleichzeitig lehnte eine jüngere Generation ab, was aus der Szene geworden war. Ihre Antwort hieß No Wave: Lärm, Dissonanz und kein Interesse an Karriere. Die Dead Boys aus Cleveland, 1976 nach New York gezogen, hielten die lautere Punk-Seite am Leben, und Anfang der Achtziger wurde das CBGB mit seinen Matineen zur Heimat des New York Hardcore.
Die Szene auf dem Stadtplan
New York Punk spielte auf engem Raum. Das CBGB lag an der Bowery 315, einer Straße der Billigpensionen. Das Max’s Kansas City, der ältere Künstlertreff, in dem schon The Velvet Underground gespielt hatten, lag an der Park Avenue South 213 nahe dem Union Square. Das Mercer Arts Center, wo die New York Dolls angefangen hatten, befand sich im Broadway Central Hotel, bis es 1973 einstürzte. Ab 1978 wurde der Mudd Club an der White Street in Tribeca zum Nachtquartier der nächsten Generation. Die meisten Musiker wohnten zu Fuß erreichbar in billigen Wohnungen im East Village und an der Lower East Side.
Diese Nähe erklärt viel. Jeder sah die Bands der anderen, man lieh sich Musiker aus, stritt in denselben Bars und schrieb im selben Heft übereinander. Richard Hell spielte nacheinander bei Television, den Heartbreakers und den Voidoids, Fred Smith wechselte von Blondie zu Television. Aus dieser Enge kamen Tempo und Konkurrenz, die die Szene so produktiv machten.
Was bleibt
New York Punk lieferte eine Vorlage, die zugleich kunstvoll und einfach war: kurze Songs, keine Soli, ein starkes Bild und eine Bühne für alle mit eigenem Material. Über Platten, Tourneen und den Stil von Richard Hell und den Ramones beeinflusste die Szene den britischen Punk direkt und öffnete die Tür zum New Wave. Die Platten dazu stehen in unserer Auswahl der besten Punk-Alben, den größeren Zusammenhang erzählt die Geschichte des Punk.
Häufige Fragen
Welche waren die ersten New Yorker Punk-Bands?
Die New York Dolls und Suicide waren seit Anfang der Siebziger aktiv. Die ersten Bands der CBGB-Generation waren 1974 Television und die Ramones, danach kamen die Patti Smith Group, Blondie, Talking Heads, die Heartbreakers sowie Richard Hell and the Voidoids.
Was unterscheidet New York Punk vom britischen Punk?
Die New Yorker Szene war kleiner, älter und kunstnäher. Viele Musiker waren Mitte zwanzig und kamen aus Lyrik, Malerei und dem Untergrund der Sechziger. Der britische Punk war jünger, lauter und politischer und wurde zur Massenbewegung mit eigener Mode und eigenen Skandalen.
Wo spielten die New Yorker Punk-Bands?
Vor allem im CBGB an der Bowery 315 und im Max's Kansas City an der Park Avenue South. Ab 1978 kam der Mudd Club in Tribeca hinzu.
Welchen Einfluss hatten die Ramones auf Europa?
Einen großen. Ihr Debüt kam 1976 nach Großbritannien, und bei ihrem Konzert im Londoner Roundhouse am 4. Juli 1976 standen viele Musiker im Publikum, die im selben Sommer die ersten britischen Punk-Bands gründeten.