Punk-Bands, die das Genre geprägt haben: international und aus Deutschland
Die wichtigsten Punk-Bands von den Ramones bis zu den Toten Hosen: 22 Gruppen aus New York, London, Kalifornien, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und West-Berlin.
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Die Punk-Bands, die das Genre geprägt haben, kamen aus einer Handvoll Städte und gründeten sich innerhalb weniger Jahre. Kurz gesagt: Die Ramones schufen 1974 in New York die Vorlage, die Sex Pistols und The Clash machten daraus 1976 und 1977 ein britisches Großereignis, und Black Flag, Bad Brains und Dead Kennedys bauten es ab 1979 zum amerikanischen Hardcore um. In Deutschland legten Male, Mittagspause, Hans-A-Plast, Abwärts und Slime die Grundlagen, bevor Die Toten Hosen und Die Ärzte 1982 das breite Publikum erreichten. Die Vorgeschichte und den großen Bogen erzählt unser Beitrag zur Geschichte des Punk.
Vorläufer
Die Stooges aus Ann Arbor, MC5 aus Detroit und die New York Dolls veröffentlichten ihre wichtigsten Platten zwischen 1969 und 1974. Sie waren selbst noch kein Punk, aber fast jede Band auf dieser Liste nennt mindestens eine von ihnen als Vorbild. Deshalb stehen sie hier nur als Fußnote.
New York
- Ramones (Queens, 1974). Vier Freunde aus Forest Hills, die im August 1974 zum ersten Mal im CBGB spielten. Kurze Songs, keine Soli, Lederjacken. Einstieg: das Debüt Ramones (1976).
- Television (New York, 1973). Tom Verlaine und Richard Lloyd überredeten Hilly Kristal 1974, sie im CBGB auftreten zu lassen, und öffneten den Club damit für die neuen Bands. Einstieg: Marquee Moon (1977).
- Patti Smith Group (New York, 1974). Lyrik auf Garagenrock. Horses (1975) war das erste Album aus dem Umfeld des CBGB.
- Richard Hell and the Voidoids (New York, 1976). Hell prägte das Aussehen des Punk mit zerrissenen Hemden und Stachelhaar. Einstieg: Blank Generation (1977).
Mehr über diese Szene steht im Beitrag New York Punk.
Großbritannien und Irland
- Sex Pistols (London, 1975). Erstes Konzert im November 1975 an der Saint Martin’s School of Art, dann ein Jahr Chaos bis zum Fernsehinterview mit Bill Grundy im Dezember 1976. Den Hintergrund liefert London 1976. Einstieg: Never Mind the Bollocks (1977).
- The Clash (London, 1976). Joe Strummer, Mick Jones und Paul Simonon brachten Politik und Reggae in den Punk. Einstieg: The Clash (1977), danach London Calling (1979).
- The Damned (London, 1976). Erste britische Punk-Single (New Rose, Oktober 1976) und erstes britisches Punk-Album (Damned Damned Damned, Februar 1977), beides bei Stiff.
- Buzzcocks (Bolton und Manchester, 1976). Howard Devoto und Pete Shelley holten die Sex Pistols im Juni 1976 in die Lesser Free Trade Hall und brachten im Januar 1977 die EP Spiral Scratch im Selbstverlag heraus. Einstieg: Singles Going Steady.
- X-Ray Spex (London, 1976). Poly Styrene sang über Konsum und Identität, das Saxofon stand vorne. Einstieg: Germfree Adolescents (1978).
- Stiff Little Fingers (Belfast, 1977). Punk aus dem Nordirlandkonflikt. Inflammable Material (1979) gilt als erstes Album eines unabhängigen Labels in den britischen Top 20.
- Crass (Epping, 1977). Ein Kollektiv aus einem Haus in Essex, mit eigenem Label und selbst gestalteten Hüllen. Begründer des Anarcho-Punk. Einstieg: The Feeding of the 5000 (1978).
USA: Hardcore
- Black Flag (Hermosa Beach, 1976). Greg Ginns Band und sein Label SST schufen das Modell der selbstorganisierten US-Punkband mit endlosen Touren im Kleinbus. Einstieg: Damaged (1981).
- Dead Kennedys (San Francisco, 1978). Jello Biafras Satire, East Bay Rays Surfgitarre und das Label Alternative Tentacles. Einstieg: Fresh Fruit for Rotting Vegetables (1980).
- Bad Brains (Washington, D.C., 1977). Anfangs eine Jazz-Fusion-Band, dann schneller und präziser als alle anderen. Einstieg: die Kassette Bad Brains (1982).
- Minor Threat (Washington, D.C., 1980). Ian MacKayes Band, deren Label Dischord die Szene der Hauptstadt dokumentierte. Ein Song von ihnen gab der Straight-Edge-Bewegung den Namen.
Deutschland
- Male (Düsseldorf, 1976). Im Dezember 1976 gegründet. Zensur & Zensur (1979) gilt als erstes durchgehend deutschsprachiges Punk-Album und ist der Moment, in dem deutscher Punk das Englische ablegte.
- Mittagspause (Düsseldorf, 1978). Mit Peter Hein und Franz Bielmeier, der vorher das erste deutsche Punk-Fanzine The Ostrich herausgegeben hatte. Kurze, trockene Songs, aus denen später Fehlfarben hervorgingen. Mehr zum Fanzine steht unter Punk-Fanzines.
- Hans-A-Plast (Hannover, 1978). Mit Sängerin Annette Benjamin eine der ersten deutschen Punkbands mit einer Frau am Mikrofon. Ihr Label No Fun machte Hannover zu einem eigenen Zentrum.
- Abwärts (Hamburg, 1979). Nervöser, harter Punk mit kalter Post-Punk-Kante. Das Album Amok Koma (Oktober 1980) gehört zu den Grundplatten der Hamburger Szene.
- Slime (Hamburg, 1979). Die Band, die den politischen Deutschpunk definierte. Ihr Debüt Slime I (1981) prägte eine ganze Generation von Bands in besetzten Häusern und Jugendzentren und beschäftigte wegen einzelner Stücke später auch den Jugendschutz.
- Die Toten Hosen (Düsseldorf, 1982). Hervorgegangen aus ZK, mit Campino als Sänger. Anfangs Fun-Punk mit Trinkliedern, später eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands. Einstieg: Opel-Gang (1983).
- Die Ärzte (West-Berlin, 1982). Farin Urlaub und Bela B. machten aus Punk Popsongs mit Witz. Ihr Debütalbum Debil (1984) markiert das Ende unseres Zeitraums.
Die Verbindungen zwischen deutschem Punk und der frühen Neuen Deutschen Welle waren eng: Viele Musiker spielten in beiden Lagern, bevor der Begriff zum Schlager-Etikett wurde.
Wer fehlt
Die Germs, X, Hüsker Dü, die Misfits, Sham 69 und die UK Subs hätten Argumente auf ihrer Seite, ebenso ZK, Razzia oder Toxoplasma. Wir haben uns auf Bands beschränkt, deren Platten verändert haben, was andere machten. Einzelne Alben statt Bands finden Sie unter den besten Punk-Alben, die Zeit danach in der Liste der Post-Punk-Bands.
Einstieg in zwei Stunden
Je eine Platte pro Abschnitt: Ramones, The Clash, Spiral Scratch, Damaged, Zensur & Zensur und Slime I. Damit hören Sie die Vorlage, die britische Fassung, die Selbstverlags-Wende, die amerikanische Beschleunigung und die deutsche Antwort, auf Englisch und auf Deutsch.
Häufige Fragen
Welche Punk-Bands sind die bekanntesten?
International sind es die Ramones, die Sex Pistols und The Clash. In Deutschland kennen fast alle Die Toten Hosen und Die Ärzte, beide 1982 gegründet. Wer tiefer einsteigt, landet bei Slime, Abwärts, Hans-A-Plast und Male.
Welche war die erste deutsche Punkband?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, weil 1976 und 1977 in mehreren Städten fast gleichzeitig Bands entstanden. Male aus Düsseldorf, im Dezember 1976 gegründet, gehört zu den frühesten, und ihr Album Zensur & Zensur von 1979 gilt als erstes durchgehend deutschsprachiges Punk-Album.
Was ist Deutschpunk?
Deutschpunk bezeichnet vor allem den politischen, deutschsprachigen Punk der frühen Achtziger, wie ihn Slime aus Hamburg prägten. Kennzeichen sind kurze, schnelle Songs, klare Parolen und eine Nähe zu Hausbesetzer- und Antifa-Szenen.
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